Das Evangelische Gesangbuch
Seit 500 Jahren begleitet uns das Evangelische Gesangbuch durch Gottesdienste, Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen. Es ist ein lebendiger Teil unserer Kultur und ein Zeugnis der Kraft der Musik und des Glaubens.
Auf dem Weg zu einem neuen Evangelischen Gesangbuch
Der Rat der EKD hat im Reformationsjubiläumsjahr 2017 in Zusammenarbeit mit allen evangelischen Landeskirchen entschieden, dass das Evangelische Gesangbuch aus den 1990er Jahren gemeinsam überarbeitet werden soll. 2020 ging die Arbeit mit einer gut 70köpfigen Gesangbuchkommission aus allen Landeskirchen, Fachverbänden und der evangelischen Kirche in Österreich los. Im Herbst 2024 hat das Buch erste Gestalt angenommen. Die Erprobung erfolgte im Herbst 2025 bis Sonntag Palmarum 2026. 2029 wird das neue Evangelische Gesangbuch nach den aktuellen Planungen fertig vorliegen und in den Landeskirchen eingeführt.
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Warum entsteht ein neues Gesangbuch?
Erprobungsphase
Im November 2025 startete die Erprobungsphase des neuen Evangelischen Gesangbuchs – ein großer Schritt auf dem Weg zu einem gemeinsamen Gesangbuch für die ganze EKD. Über 600 Gemeinden und Einrichtungen machen mit, gut 80 davon aus Bayern.
Im Erprobungsband sind rund ein Drittel der künftigen Lieder enthalten – von Advent und Weihnachten bis zu Taufe, Abend und Psalmen. Sie sind herzlich eingeladen, die neuen Lieder in Gottesdiensten, Proben, Singabenden oder Konzerten lebendig werden zu lassen und ihre Erfahrungen weiterzugeben.
Zur Erprobung gehört auch der Regionalteil für Bayern und Sachsen, der gemeinsam von der ELKB und der EVLKS erarbeitet wird. Besonders sind die Abschnitte „Gottesdienst“ und „Taufe“ – mit neuen Texten, Liedern und liturgischen Impulsen für die Praxis.
Neugierig?
Logo & Design
Auf den ersten Blick wirkt das neue Gesangbuch deutlich lebhafter als die bisherigen Ausgaben: So ist schon auf dem Cover auf dunkelblauem Untergrund ein nach rechts oben geöffneter Kreis mit sechs Segmenten in Nuancen von blau, rot und grün zu sehen. Unübersehbar darunter steht in weißen Lettern der Titel „Evangelisches Gesangbuch“. Beim Aufschlagen des Buches stellt sich der segmentierte Logo-Kreis als wesentliches Gestaltungselement dar.
Struktur
Ein besonderes Kennzeichen des neuen Gesangbuches ist die Verschränkung von Lied und Text. In Auflösung des bisherigen Textteils im hinteren Bereich des Buches zeigen die einzelnen Kapitel insgesamt eine Mischung aus Liedern (etwa zwei Drittel) und Texten (etwa ein Drittel), wobei es hier um Einführungstexte, Gebete, kleine Rituale, biblisch Zitate und vielfältige weitere Impulse geht, die zum Nachsinnen anregen.
Auch das Vater unser und das Apostolische Glaubensbekenntnis werden selbstverständlich nicht fehlen. Ausführlichere Texte und Hintergrundinformationen finden sich künftig zum Teil im digitalen Gesangbuch, zum Teil wird aber auch explizit auf weitere Produkte verwiesen werden.
NEU: Einblicke in die neue Liedauswahl
Nach intensiver Arbeit der Gesangbuchkommission hat die Kirchenkonferenz der EKD am 19. März 2026 die vorläufige Liederliste für das neue Evangelische Gesangbuch beschlossen. In dieser reichhaltigen und vielfältigen sowie zwischen Tradition und Innovation ausgewogenen Zusammenstellung werden die vorläufig für den Stammteil des neuen Evangelischen Gesangbuches ausgewählten Lieder präsentiert – sowohl für das gedruckte Buch als auch für die digitale Ausgabe, die den Liederschatz des gedruckten Buchs ergänzen wird.
Damit ist die Arbeit an der Liederliste aber noch nicht getan: Die Mitglieder der Gesangbuchkommission und das Projektbüro werden daran im Laufe des Sommers 2026 weiterarbeiten – unter anderem, um Ergebnisse der Erprobungsphase und Empfehlungen des Fachbeirates für ethische Fragestellungen einzuarbeiten. Das Ziel ist, dass der Rat der EKD im Frühjahr 2027 über die endgültige Liederliste beschließen kann. Auch wenn sich die Konturen des neuen Gesangbuches also bereits deutlich abzeichnen, bleibt es spannend!
Ein Regionalteil für Bayern und Sachsen
Konzeption der Arbeit an einem EG-Regionalteil
Die Ev.-Luth. Landeskirche in Bayern und die Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens verantworten gemeinsam einen Regionalteil für das neue Evangelische Gesangbuch.
Im Mai 2019 traf sich erstmalig die Arbeitsgruppe „Evangelisches Gesangbuch: Regionalteil Sachsen“ unter der Leitung von Oberkirchenrat Dr. Martin Teubner, dem Referenten für Gottesdienst und Amtshandlungen. Das Landeskirchenamt hatte dazu bereits im September 2018 die ersten Schritte auf den Weg gebracht, um begleitend zur Neubearbeitung des Evangelischen Gesangbuchs durch die EKD einen Regionalteil für die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens zu erarbeiten.
Am 25.Oktober 2023 hat sich der Landesausschuss Evangelisches Gesangbuch der Ev. Luth. Landeskirche in Bayern und die Arbeitsgruppe Evangelisches Gesangbuch-Regionalteil Sachsen der Ev. Luth. Landeskirche Sachsens in Leipzig auf eine gemeinsame Geschäftsordnung und auf eine enge Zusammenarbeit in der sogenannten Regionalteil-Kommission Bayern-Sachsen verständigt.
Seitdem geschieht die weitere Arbeit der Regionalteil-Kommission geschieht in vier Ausschüssen (Liedauswahl, Texte und Gottesdienstordnungen, Psalmen, Gestaltung und Begleitmaterialien), die sich sowohl in Präsenz als auch digital treffen werden. Zweimal im Jahr kommt die Regionalteil-Kommission in Präsenz und digital zusammen, um Beschlüsse zu fassen.
Die Regionalteil-Kommission wird von einer Steuerungsgruppe einberufen und geleitet. Sie besteht aus jeweils vier Personen aus der EVLKS und der ELKB, die auch die jeweiligen Ausschüsse in doppelter Besetzung leiten.
Ansprechpartner der Regionalteil-Komission:
Evang.-Luth. Kirche in Bayern
Evang.-Luth. Landeskirche Sachsen
mitsingen.de
Heute schon gesungen?
Auf mitsingen.de gibt es kostenfrei Wissenswertes und Unterhaltsames rund ums Singen und die Lieder des neuen Evangelischen Gesangbuchs
- Über 60 Lieder
- Materialien zum Singen, Vermitteln & Begleiten
- Audiofiles, Videos
- theologische & historische Hintergründe
- Infos zu Liedautorinnen & -autoren
- Arbeitshilfen zur Singvermittlung
- Infos zum Prozess des neuen Gesangbuchs
- Materialien zur Erprobungsphase des neuen Gesangbuchs
500 Jahre Gesangbuch: Eine Zeitreise
Vor 500 Jahren begann eine musikalische Revolution, die bis heute in unseren Kirchen und Gemeinden nachklingt: das Evangelische Gesangbuch. Begleite uns auf eine Reise durch 500 Jahre Lieder, Psalmen und Hymnen!
Die Geburtsstunde des ersten Gesangbuchs
Es war das Jahr 1524, und die Reformation unter Martin Luther war im vollen Gange. Die Idee, dass die Gemeinde selbst singen sollte, anstatt nur den Priestern zuzuhören, war revolutionär. Luther wollte, dass die Menschen die Botschaft des Evangeliums nicht nur hören, sondern auch mit ihrer eigenen Stimme verkünden. Zielstrebig machte er sich an das Verfassen geeigneter Texte und auf die Suche nach Mitstreitern. So entstanden erste Einblattdrucke, die bald schon zu einer gebundenen Blattsammlung vereinigt wurden - das erste evangelische Gesangbuch war geboren.
Das „Achtliederbuch“ und seine Nachfolger
Das „Achtliederbuch“, herausgegeben von Jobst Gutknecht in Nürnberg, war der Anfang. Es enthielt bereits vier Lieder von Martin Luther, darunter die Nachdichtung des 130. Psalms „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“. Kurz darauf kam in Erfurt das „Enchiridion“ (Handbüchlein geistlicher Gesänge) heraus, das neben seinen 25 Liedern mit polemischen Seitenhieben gegen den alten Kirchengesang („Geschrei der Baalspriester“) versehen war. Im selben Jahr erschien das „Geystliche gesangk Buchleyn“ mit 32 Liedern, vierstimmig gesetzt für Schülerchöre. Davon finden sich noch 20 Lieder in unserem heutigen Gesangbuch!
Von Barock bis heute
Im Laufe der Jahrhunderte wuchs das Gesangbuch immer weiter. Bücher der Barockzeit, wie das „Universal-Gesangbuch“ aus Leipzig von 1696, enthielten bereits 6000 Lieder! Viele davon sind im Zuge des unermesslichen Leides des 30jährigen Krieges entstanden. Die Gläubigen sehnten sich nach Trost und Auferbauung. Viele dieser Lieder singen wir auch heute noch, allen voran Dichtungen des Pfarrers Paul Gerhardts.
Mit der Zeit wuchs auch die Zahl derer, die ein eigenes Gesangbuch besaßen. Man ging dazu über an den Kirchenwänden Nummerntafeln anzubringen, eine Praxis die uns bis heute erhalten geblieben ist. In den folgenden Jahrhunderten entstanden immer neue Lieder und lokale Variationen des Gesangbuchs. Mit dem Aufkommen der nationalistischen Bestrebungen wurde im 19. Jahrhundert der Ruf nach einem einheitlichen deutschsprachigen evangelischen Gesangbuch immer lauter. So entstand 1845 das Deutsche Evangelische Kirchengesangbuch in 150 Kernliedern und bildete damit die Grundlage für die weitere Arbeit an einem Einheitsgesangbuch. Über 100 Jahre später erschien nach den Wirren der zwei Weltkriege das erste gemeinsame Evangelische Kirchengesangbuch. Es bestand aus 394 gemeinsamen Liedern und wurde durch den jeweiligen Lokalteil der einzelnen Landeskirchen ergänzt.
Das bis heute gebräuchliche Gesangbuch erschien bereits 1993 und enthält im Stammteil 535 Lieder mit 14 verschiedenen landeskirchlichen Regionalteilen.
Liedwettbewerb zum Jubiläum
500 Jahre Gesangbuch: Deshalb veranstaltete die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern 2024 einen großen Liedwettbewerb. Zur Teilnahme eingeladen waren Komponisten & Komponistinnen sowie Texter & Texterinnen aus dem In- und Ausland. In einer feierlichen Gala wurden die Gewinner-Songs vorgestellt.